WEM MAN KEINEN GLAUBEN SCHENKT...

 

Prolog:

 

Ein Schrei erfüllte die Nacht. Die Menschen die, dadurch an die Fenster ihrer

Wohnungen gelockt wurden sahen gerade noch, wie eine Frau auf der Strasse vor

dem Mehrstöckigen Wohnhaus aufschlug.

Schnell war man der Meinung, dass es sich nur um einen Selbstmord handeln konnte.

Einige Nachbarn, die Kontakt zu ihr gesucht hatten, sagten aus, dass sie nur hierher gekommen währe um etwas zu vergessen.

Die Polizei gab sich mit dieser Erklärung zufrieden, man glaubte schließlich zu wissen vor was sie zu flüchten versuchte.

Es schien, als hätte die Frau die Ereignisse der letzten Zeit nicht überwinden können.

Die Ermittlungen wurden nach kurzer Zeit eingestellt un der Fall zu den Akten gelegt.

 

 

 

1

 

Ein Jahr zuvor:

Es war ein kühler Freitag Abend und in der örtlichen Polizeistation des kleinen Dorfes in der englischen Provinz waren nur noch zwei Beamte anwesend.

Seit über Fünfzig Jahren war hier nichts mehr von Wichtigkeit passiert. Es gab nichts, dass eine größere Polizeipräsens gerechtfertigt hätte.

Als das Telefon klingelte wurde lange überlegt ob man überhaupt noch abheben sollte, aber der Anrufer gab einfach nicht auf. Eine männliche Stimme sprach leise und schwer verständlich „Schicken sie mal einen Beamten in den Park vom Alten Herrenhaus“.

Als der Beamte sich nach dem Namen und dem Grund des Anrufs erkundigen wollte hatte der Anrufer bereits aufgelegt.

Die beiden Polizisten sahen sich kurz an, dann meinte der, der abgenommen hatte „War wohl ein Scherz“. Sein Kollege zuckte mit den Schultern. „Ich gehe da nacher sowieso vorbei, wenn du willst sehe ich mal nach , was da los ist“.

Er verließ das Revier in östlicher Richtung und ging die Bahnhofsstrasse entlang.

Es hatte gerade aufgehört zu regnen und auf der unebenen Strasse standen noch

große Pfützen. Der mit schweren Steinplatten belegte Platz vor dem ehemals

schönen Anwesen, den die Anwohner wohl eher ironischerweise „Park“ nannten, wurde nur spärlich vom gelblichen Licht einer Straßenlaterne erhellt.

In ihrem Lichtkegel konnte er eine junge Frau erkennen, die sich an der Laterne abstützte.

Er eilte zu ihr und sprach sie an.

Sie schien ihn nicht wahrzunehmen und starrte wie vor Angst gelähmt auf eine

Gruppe Büsche am Rand des Geländes. Nach einigen Sekunden drehte sie sich ruckartig zu dem etwas verwirrt aussehenden Polizisten um.

„Entschuldigung, ich hatte sie gar nicht bemerkt“ „Ist mit ihnen alles in Ordnung Mrs....“

Langsam gewann sie ihre Selbsticherheit zurück. „ Adler , Julia Adler, Ich wohne erst seit zwei Wochen hier, habe hier einen Job bekommen ...war vorher in Lodon.“

Der Beamte blickte sie immernoch irritiert an. „Was ist den eigentlich passiert? Kann ich ihnen irgendwie helfen?“

„Nein, es ist alles in Ordnung.... Da war eine Gestallt, die etwas über die Steinplatten geschleift hatte... Irgendwie habe ich plötzlich Angst bekommen...“

 

Die ganze Angelegenheit blieb rätselhaft. Weder wollte Mrs. Adler angeben, was sie selbst nach Einbruch der Dunkelheit in dieser verlassenen Gegend suchte, noch konnte sie sich daran erinnern, was genau sie so erschreckt hatte.

Eines war allerdings klar, es musste für diese Vorkommnisse noch mindestens

einen weiteren Zeugen geben - den Mann, der auf der Wache angerufen hatte.

Die Ortsangabe, die der Anrufer verwendet hatte, lies auf eine Einheimischen schließen. Doch die Stimme war dem Beamten nicht bekannt vor gekommen - und er kannte die meisten Leute hier.

Man schenke dem Vorfall keine größere Beachtung, da weder der Anrufer ausfindig gemacht werden konnte, noch irgendein Hinweis auf  eine unerlaubten Handlung vorlag.

 

 

2

 

Nicole Lane war in einem der vielen Büros der Firma Odell-Transports in

Brentwood beschäftigt. Seit vor etwa zwei Monaten ihre Kollegin gekündigt hatte, musste sie für zwei arbeiten und hoffte nun, da eine Nachfolgerin gefunden war, auf etwas Entlastung.

Frau Adler war ihr sofort sympathisch gewesen. Sie hatte ihr nach der Zusage ihres

Chefs geholfen eine günstige Wohnung zu finden. Seitdem trafen sich die beiden Frauen

auch außerhalb der Arbeitszeit und unternahmen zusammen mehrere Ausfüge nach London.

Natürlich hatte Julia ihr gleich am nächsten Morgen von den Ereignissen

jener Nacht erzählt, doch Nicole konnte nichts besonders ungewöhnliches

daran finden. Sie war der Meinung, dass es in einem Dorf wie diesem viele komische

Menschen gab. Wahrscheinlich hatte einfach jemand etwas verladen, das die

Nachbarn nicht bemerken sollten. Hier beobachtete schließlich jeder Jeden und

manche Leute wollten doch ein paar Dinge für sich behalten. Sie konnte überhaupt

nicht verstehen, was ihre neue Freundin so seltsam daran fand.

In den folgenden Wochen beruhigte sich Julia wieder und begann sogar Scherze darüber

zu machen, was der Fremde wohl zu verheimlichen hatte.

 

Nicole war noch nie bewusst gewesen, wie viele interessante Dinge es in London gab, bis Julia sie darauf aufmerksam gemacht hatte. An einem Dienstag abend, es war ca. Vier Wochen nach dem nächtlichen Vorfall im Park, saßen die zwei Frauen zusammen in Nicoles Wohnung. Sie hatten Tee getrunken und darüber diskutiert, dass es in dieser Gemeinde anscheinend keine interessanten Männer für sie gibt. Spontan  beschloss Julia, Nicole in einen der Clubs in der Stadt mitzunehmen, damit sie ein paar Leute kennenlernt. Zuvor hatten sie sich noch einen Film im Kino angesehen und zusammen zu Abend gegessen. Danach fuhren sie zu Nicoles Wohnung zurück. Julia verabschiedete sich und stieg in ihr eigenes Auto, um nach Hause zufahren. Sie hatten glücklicherweise einen Parkplatz direkt vor der Türe bekommen, denn es regnete an diesem Abend ziemlich stark.

In diesem Jahr schien es besonders oft zu regnen...

 Zum Glück habe ich den Wagen günstig bekommen, ohne Auto währe ich in dieser Gegend aufgeschmissen gewesen, dacht Julia.

Ihre Wohnung befand sich in einem anderen Ortsteil in ungefähr drei Kilometer Entfernung.

 

 

3

 

Als Nicole am nächsten Morgen das Büro betrat, wunderte sie sich, dass noch kein

Licht brannte. Gewöhnlich war Julia immer vor ihr hier. Sie begann Kaffe zu kochen

und sah die eingegangene Morgenpost durch.

Danach machte sie sich an die Beantwortung einiger Briefe.

Als Julia um neun Uhr noch immer nicht gekommen war begann sie sich Sorgen zu

machen.

 

Um viertel nach neun, Nicole war gerade aus der Pause zurück, klingelte das Telefon.

Der Anrufer sagte ihr, dass Julia einen Unfall mit dem Auto hatte und nun im Krankenhaus liege.

Nach dieser Mitteilung konnte sich Nicole nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren.

Sie entschloss sich den Nachmittag frei zunehmen und Julia zu besuchen.

Ziemlich besorgt machte sie sich auf den Weg zum Krankenhaus.

Dort angekommen sagte man ihr, dass ihrer Freundin nicht viel passiert sei und sie

noch heute entlassen werden würde. Allerdings wollte man sie nicht zu ihr

lassen. Die Patientin hätte gerade ein wichtiges Gespräch mit einem der Ärzte.

Nicole ließ sich nicht so einfach abwimmeln und wurde daraufhin in einen Wartesaal geführt. Außer ihr waren nur noch eine Frau von ca. 40 Jahren und ein älterer Mann in dem Raum.

An den Wänden hingen große Bilder die wohl ein Künstler gemahlt hatte. Nicole

versucht sich abzulenken und betrachtete das Gemälde an der gegenüberliegenden

Wand genauer. Doch sosehr sie sich auch anstrengte, sie konnte keinen Sinn darin

erkennen. Für sie war das nur eine Ansammlung von Strichen und Farbklecksen.

Nach einer halben Stunde kam eine Krankenschwester auf sie zu und teilte ihr mit, dass sie jetzt zu Frau Adler könne.

Nachdem sie minutenlang durch immer gleichaussehende Gänge geführt wurde,

in denen dieser typische Krankenhaus Geruch hing, erreichte sie endlich Julias

Zimmer. Diese hatte scheinbar wirklich nur ein paar Schrammen abbekommen.

Kaum waren sie alleine, begann Julia zu erzählen. „Die sagen ich hätte riesiges Glück gehabet.... Ich weiß selbst nicht, was da genau passiert ist. Nachdem ich bei dir Weggefahren war, wurde der Regen immer schlimmer. Ich konnte kaum noch etwas sehen. Vielleicht hätte ich anhalten sollen ....“ Sie blickte ihre Freundin fragend an. „Ich bin so froh, das es dir gut geht. Hat dir der Arzt, der bei dir war gesagt, wann du gehen kannst?“ „Nein, Ich hab seit heute Vormittag keinen Arzt mehr gesehn.“ Nicole war verwirrt. „Aber die Frau an der Rezeption hat mir gesagt, ich könnte nicht zu dir, weil du ein Gespräch mit dem Arzt hättest ...“

„Es war jemand von der Polizei hier, kein Arzt . Die können sich den Unfallhergang nicht erklähren und da inzwischen bewiesen ist, dass ich weder betrunken noch unter Drogen stand, wollten sie von mir Einzelheiten wissen. Das Problem ist nur, dass ich mich nicht darann erinnern kann...“

Die Ärzte sagten mir, gegen Sieben Uhr am Morgen hätte eine Frau den Notarzt gerufen.

 

Nicole hatte leichte Bedenken den Rückweg durch die Korridore nicht wider

zu finden, aber diese Sorgen waren unbegründet, der Weg zum Ausgang war gut

ausgeschildert.

Als sie am nächsten Morgen die Zeitung aufschlug lass sie kein Wort über den Unfall, denn es hatte sich in jener Nacht noch etwas sensationelleres ereignet.

Die Polizei hatte ca. 2 Kilometer Außerhalb des Ortes die Leiche eines etwa

fünfundzwanzig Jährigen Mannes gefunden. Laut Zeitungsbericht hatte man einen

anonymen Tipp bekommen. Die Identität des Mannes war zum Zeitpunkt des

Drucks noch ungeklaar, er war vermutlich in der Nacht auf Mittwoch ermordet worden.

 

 

4

 

In den folgenden Tagen war Julia ungewöhnlich nervös.

Sie vergoss ihren Kaffe, machte bei der Arbeit viele kleine Fehler und vergaß Termine. Nicole führte dies zuerst auf den Unfall zurück, der scheinbar doch einen größeren Schock verursacht hatte als sie zuerst annahm. Doch anstatt mit der Zeit ruhiger zu werden, wurde Julias Nervosität immer größer.

Bisher war sie allen Fragen Nicoles erfolgreich ausgewichen.

 

Da Julias Auto noch immer in der Werkstatt stand, nahm Nicole sie morgens mit

zur Arbeit und fuhr sie abends nach Hause zurück. Zwei Wochen nach dem Unfall, als Julia bei Nicole im Auto saß um sich nach Hause fahren zu lassen, hatte Nicole das Gefühl, dass sie ihr irgendetwas erzählen wollte, dann aber doch davor zurückschreckte. Julia war sichtlich angespannt.

„Ist bei dir alles Ok? Du wikst so unruhig“ Julia antowtete nicht. Sie blickt nur starr aus dem Seitenfenster um Nicole nicht ansehen zu müssen.

„Willst du nicht mit zu mir kommen, wir künnten noch was zusammen Trinken und dann was im Fernsehn anschauen“ Langsam schüttelte Julia den Kopf. „Es ist alles in Ordnung, fahr mich bitte nach hause...“

Als das Auto in  die Nähe von Nicole Wohnung kam murmelte Julia unvermittelt „Nicole, ich würde doch gerne noch zu dir rein kommen, ich muss einfach mit jemandem darüber sprechen....“. In der Wohnung angekommen setzte Nicole erst einmal Tee auf. Danach saßen sich beide eine Weile schweigend gegenüber. Julia starrte scheinbar auf eines der Bilder an der Wand, das Nicole gemahlt hatte. Im gegensazu zu dem Gemählde im Wartezimmer des Krankenhauses war die Aussage hier klar. Wenn man nur ihre Bilder betrachten würde, könnte man auf den Gedanken kommen, Nicole währe leicht morbiede veranlagt.

Plötzlich und ohne den Blick von dem Bild abzuwenden begann Julia zu sprechen.

 

„Der Tote, der vor zwei Wochen hier im Ort gefunden wurde .... Es war mein Ex-Freund Jack Hymes. Ich habe drei Jahre mit ihm zusammen in London gelebt. Wir hatten uns furchtbar zerstritten und ich hatte ihn sein damals nicht mehr gesehen....

Erinnerst du dich noch daran, dass ich mich kaum nachdem wir uns kannten so im Park erschrocken hatte?“ Nicole nickte. 

„Nun , irgendwie hatte Jack erfahren wo ich inzwischen hingezogen bin. Er bat mich auf jeden Fall, mich mit ihm an diesem Abend auf dem Platz vor dem Herrenhaus zu treffen.

Er wollte mir am Telefon nicht sagen wurum es geht geht, aber er sagte es sei sehr

wichtig und er klang dabei furchtbar nervös.“

Sie machte eine Pause. „Und? Was hat er gewollt?“

„Als ich  zur vereinbarten Zeit eintraf  war niemand da. Ich stellte mich unter die Strassenlaterne, um dort auf ihn zu warten. Der Regen hatte gerade etwas

nach gelassen. Nachdem ich etwa zehn Minuten gewartet hatte, kam ein Mann von

der Rückseite des Hauses auf mich zu. Ich erkannte, dass es sich nicht Jack war, den

der Fremde war deutlich grösser. Der Mann änderte die Richtung als er mich sah und verschwand aus meinem Blickfeld.

Ich drehte mich um und sah dabei etwas am Boden zwischen den Büschen, dass mir irgendwie bekann vorkam.

Dann raschelte es im Gebüsch rechts von mir und als ich genauer hinsah, erkannte ich

die Gestallt des Mannes, den ich bereits zuvor gesehen hatte.

In dem milchig gelben Licht konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, aber ich sah, dass er etwas hinter sich her zog, dass zwischen den Büschen gelegen haben musste. Irgendetwas an diesem Anblick ließ mich erstarren....

Das nächste das ich weiß,  war dass ein Polizist neben mir stand und auf mich

einredete.“ Wider machte Julia eine Pause. Nicole goß ihr Tee nach. Nachdem Jula einen Schluck getrunken hatte sprach sie unsicher weiter.

„Bitte halte mich nicht für verrückt, aber ich hab da so eine Teorie, wie alles zusammenhängen könnte...Ich hatte auch mit den Ermittlern darüber gesprochem, doch die glauben mir nicht wiklich ....Die denken ich bin Hysterisch...“ Nicole bickte ihre Freundin nun voller Erwartung an.

„Ich bin mir sicher, Jack wollte mir etwas Wichtiges mitteilen oder geben

und hatte sich deshalb mit mir treffen wollen. Irgendwie hatte er Angst, gesehen

zu werden, denn der wollte nicht in meine Wohnung kommen sondern, schlug einen

um diese Zeit sehr verlassenen Ort als Treffpunkt vor.

Irgendjemand hatte Interesse daran, dass es nicht zu diesem Treffen kommt.

Man hat ihn am Treffpunkt aufgelauert und KO geschlagen.

Als ich kam hat man ihn im Gebüsch versteckt. Dabei haben sie wohl etwas verloren, dass ich gesehen habe.... Wenn ich nur wüsste was es war....

Die Täter hatten auf jeden Fall Angst, dass ich sie gesehen habe und inzenierten desshalb den Unfall...“

 

Nicole versucht ihre Freundin zu beruhigen was auch zu helfen schien. Julia

war wohl richtig erleichtert, alles was sie dachte Jemandem anvertrauen zu können,

der ihr auch zuhörte.

 

 

5

 

Julia war nach diesem Gespräch viel gelöster und erzählte Nicole noch weitere Dinge aus ihrem bisherigen Leben. So war sie auch der Meinung, Nicole müsse unbedingt ihren Schwager Brian kennen lernen. Er hatte seinen Besuch für ende Monat angekündigt. Zwischen den beiden Freundinnen schien von nun an eine noch viel stärkere Verbindung zu bestehen als zuvor.

 

Den Zeitungen war zu entnehmen, dass die Polizei noch immer keine Spur des Mörders, oder auch nur einen Verdacht hatte, warum der Mann ermordet worden war.

Auch die Ermittlungen nach dem anonymen Anrufer verliefen bisher ergebnislos.

Eines Morgen wartete Julia schon ganz ungeduldig im Büro auf Nicoles Eintreffen.

„Stell dir vor, ich habe einen Brief von Jacks Versicherungsgeselschaft bekommen.

Die haben mir mitgeteilt, dass Jacks Testament immernoch auf meinen Namen lautet...“

Sie schien sich fast dafür zu schämen. Leise sprach sie weiter.

„Er hätte mich nach der Trennung besser streichen sollen...oder Brian das Geld vermachen. Ich sollte es auf jedenfall mit ihm Teilen, vielleicht hilft es ihm alles zu vergessen.....“

Als Nicole etwas Näheres erfahren wollte, sah Julia erschrocken

auf, als sei ihr nicht bewusst gewesen, dass sie den letzten Satz laut ausgesprochen hatte. Hastig änderte das Gesprächsthema.

 

Nicole fand Brian auf anhieb sympathisch.

Er war fünf Jahre älter als Sie und ein ziemlich sportlicher Typ.

Nach außen hin schien er immer fröhlich zu sein, doch als sie ihn besser kennenlernte, merkte Nicole, dass ihn etwas bedrückte.

Er erzählte ihr von seiner Frau Anne und das sie bei einem Unfall

gestorben sei. Julias Ex – Freund hatte das Auto gefahren.

Danach sprachen sie dieses Tema nie wieder an und Brian

gab vor wider der fröhlich junge Mann zu sein, doch nun wusste Nicole, dass das alles nur eine art Schutzschild für seine Gefühle war.

Sie fragte sich, ob er wohl Anne irgendwann vergessen und eine andere Frau lieben

könnte.

Für Sonntag haten die beiden Freundinnen mit Brian zum Kino verabredet.

Julia hatte Karten besorgt und war deshalb mit Nicole bereits eine Stunde vor Filmbeginn an dem Kinosaal in der Londoner Innenstadt.

Sie wollten in dem Eckcafe gegenüber des Eingangs auf Brian warten.

Als dieser kurz vor Filmstart noch immer nicht gekommen war, entschossen sie sich

den Film zu zweit anzusehen, vielleicht würde er ja nachkommen.

Als der Film zu Ende war, war von Brian immer noch nichts zu sehen. Julia wurde sichtlich unruhig. Sie versuchte von einer Telefonzelle aus bei ihm zu Hause anzurufen, hatte aber keinen Erfolg.

Die Frauen entschlossen sich anschließend noch zu Nicole zu fahren und gemeinsam zu Abend zu essen.

Kaum dort angekommen, versuchte Julia erneut bei Brian anzurufen.

Diesmal nahm jemand ab, doch es war nicht Brian, sondern ein Polizeibeamter,

der nun die traurige Aufgabe hatte der erschrockenen Julia mitzuteilen, dass sich

ihr Schwager das Leben genommen hatte.

Diese Nachricht brachte Julia total aus dem Gleichgewicht. Nicole war sich daüber klar gewsen, das Julia Brian mochte doch ihr war nicht bewusst, dass ihr Brian so viel bedeutet hatte.

 

Nachdem sie sich wider etwas beruhigt hatte, begann sie zu erzählen.

„Brian hat Annes tod nie verarbeitet.... Er war nur noch ein Schatten von dem der er zuvor war... Ich dachte, dass es ihm nach Jacks tot eigentlich besser gehen müsste, doch seinbar riss die ganze Geschichte nur wider alte Wunden auf....“

 

Nicole konnte es nicht fassen, dass Brian sich einfach umgebracht haben sollte.

Trotz allem Schmerz der in ihm war, hatte er auf sie nie so verzeifelt gewikt, dass er sein Leben beenden wollte.

Da Brian sonst keine Verwandten in der näheren Umgebung hatte, lag es an Julia für einige Tage in die Stadt zu fahren um den Nachlass zu regeln und die Beerdigung zu organisieren. Sie überlies für diese Zeit Nicole einen Schlüssel zu ihrer

Wohnung, damit diese ihre Blumen gießen und nach dem Rechten schauen konnte.

 

Beim ihrem ersten Besuch wurde Nicole auf einmal kar, wie selten sie hier in dieser Wohnung gewesen war. Meist hatten sie sich bei ihr getroffen, dabei war Julias Wohnung fast geräumiger als ihre.

Ganz in Gedanken hob Nicole ein paar Briefe auf, welche vom Postboten durch den Briefschlitz geworfen worden waren und legte sie auf den Tisch.

Danach ging sie in die Küche und füllte eine Gießkanne mit Wasser.

Während des Blumengießens entdeckte sie einen Zettel der wohl unter die Kommode gerutscht sein musste. Sie hob ihn auf und wollte ihn schon weglegen, als

sie bemerkte, dass es wohl der Teil eines Briefes von Brian war.

Neugierig begann sie zu lesen. Brian schrieb scheinbar zusammenhanglos vomTod seiner Frau und von Rache an den dafür Verantwortlichen. Dabei wurde auch mehrfach Jacks Name genannt. Nicoles Gedanken überschlugen sich. Hatte Brian etwa Julias Ex umgebracht?

Das wollte sie noch weniger wahrhaben, als das er Selbstmord begangen

haben sollte. Sie legte den Briefbogen zur neuen Post auf den Tisch und

verließ die Wohnung.  Die Gedanken die ihr durch den Kopf gingen

gefielen ihr überhaupt nicht.

Sie war sich sicher, dass wenn sie den Rest von Brians Brief finden würde, sich alles ganz einfach aufklären würde.

Am nächsten Tag kehrte sie in die Wohnung zurück um nach dem rest des Briefs zu suchen. Ihr Blick irrte suchend durch den Raum und blieb an einem Notizbuch hängen in das einige gefaltete Papierseiten gelegt waren. Es war Julias Tagebuch. Neugierig wie sie nun einmal war, begann Nicole zu lesen. Was sie zu lesen bekam, war einfach unvorstellbar.

Plötzlich hörte sie Schritte auf dem Gang. Eilig legte sie das Buch an seinen Patz zurück. Ein Schlüssel drehte sich im Schloss und Julia kam zur Tür hinein. „Hallo Nicole, ich brauche noch ein Paar Unterlagen, die ich hier gelassen hatte. Nicole hoffte, dass sie ihr die Anspannung nicht zu sehr anmerken würde. „Und sonst...? Alles in Ordnung bei dir? Wann bist du mit allem fertig?“ Julia, die gerade 2 Leizordner aus dem dem Schrank genommen hatte sah sie verwundert an. „Ich habe doch gesagt, dass ich nächste Woche Montag wider zurück bin....Bist du hier fertig? Dann können wir zusammen runtergehen.“

 

Sie verließen die Wohnung und Julia lud die Ordner in ihren Wagen.

Dann verabschiedeten sie sich und Nicole stieg in ihr Auto um nach Hause zu fahren.

Es fiehl ihr schwer, sich auf die Strasse zu konzentrieren. Ihre Gedanken war bei dem, was sie in dem Tagebuch gelesen hatte. Sie musste unbeding heute abend noch einmal in die Wohnung und das Buch und den Brief holen.

Zuhause trank sie erst mal eine Tasse starken Kaffe, dann wartete sie bis zum einbruch der Nacht.

Als es zu dämmern begann wurde sie immer nervöser.

Schließlich beschoss sie, dass es spät genug währe und verließ ihre Wohnung um nocheinmal zu Julia zu fahren. Als sie die Wohnung betrat, ließ sie das das Licht ausgeschaltet, um möglichst keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Im dunkeln schlich sie zu dem niedrigen Schränkchen auf das sie Tagebuch gelegt hatte.Zu ihrem  Entsetzen musste sie feststellen, dass das Buch nicht mehr an seinem Platz lag.

In Panik begann sie die Wohnung zu durchsuchen. Doch sie konnte weder das Tagebuch noch der Brief finden.

Nun hatte sie keinen Beweis für ihre Entdeckung und Julia musste ahnen, dass sie ihr auf die Spur gekommen war. Wieso war sie auch so ungeschickt gewesen und hatte die einzelne Seite von Brians Brief auf dem Tisch liegen lassen.

 

 

6

 

Ihr war nun alles klar, Julia hatte die Sache sehr sorgfältig geplant. Sie war sich

genau darüber im Klaren gewesen, dass sie das Vermögen ihres Ex- Verlobten erben

würde. Es bot sich ihr nun die Gelegenheit Rache für den Tod ihrer Schwester

zu nehmen und dabei auch noch reich zu werden. Der Witwer ihrer Schwester,

Brian, hatte ihr bei der Ausführung de Plan geholfen.

Zuerst hatte sie Jack in der Nacht zum Herrenhaus gelockt. Dort hatte sie ihn niedergeschlagen und mit der Hilfe von Brian fortgeschafft. Daraufhin hatte Brian den

Anruf bei der Polizei gemacht und Julia dem Polizisten eine Komödie vorgespielt.

Für die Todeszeit brauchten sie und Brian, die als einzige ein Motiv für einen Mord

an Jack hatten, ein Alibi. Brian war bis am Morgen in seinem Club gewesen und

hatte sich dort sehr auffällig benommen, so das sich jeder seiner Anwesenheit erinnern

musste. Julia war den Abend über bei Nicole. Sie fuhr von dort aus zu ihrer Garage in welcher der betäubte Jack lag, lud ihn in den Kofferraum und fuhr ihn zu einem Platz

außerhalb des Dorfes. Dort tötete sie ihn und fuhr dann in den Wald um ihren Unfall

zu inszenieren. Brian hatte am nächsten Morgen zwei Telefonate

zu führen. Zum einen das bereits von Julia vorbereitete Band abspielen das

mit einer Frauenstimme den Notarzt rief und zum anderen den Anonymen Anruf

der die Polizei zur Leiche führte. Für Brian, der die letzten zwei Jahre seines

Lebens nur noch Rache für den Tod seiner Frau als Ziel hatte, bestand nun keinen

Grund mehr weiterzuleben. Sein Tod war wirklich ein Selbstmord gewesen. Alles

war ganz einfach....

Die Polizei schenkte ihrer Geschichte keinen glauben. Man sagte ihr, sie stehe unter

Schock und empfahl ihr einen Psychiater aufzusuchen. Nicole sah nur noch einen Ausweg. Flucht!

 

In grosser Eile hatte sie die Gegend verlassen und unter falschem Nahmen eine

Wohnung in einer Kleinstadt in Schottland gemietet. Nicole war sich sicher, dass Julia sie hier niemanls finden würde. Wenn doch, so würde sie vorbereitet sein.

Als ihr Flucht bereits vier Monaten zurücklag, begann sie damit, wider ein normales Leben zu führen. Die Anspannung der letzten Monate ließ gerade langsam nach, als abends an ihrer Türe klingelte.

Als sie öffnete, stand Julia vor ihr....

 

Nachdem eine junge Frau aus dem Fenster ihrer Wohnung gestürzt und auf der Strasse aufgeschlagen war, versammelte sich gleich eine ganze Horde Schaulustiger. Die kurz darauf eintreffende Polizei hatte mühe die ganzen aufgebrachten Menschen zu beruhigen. Ein Junger Beamter bemerkte gegenüber seinem Vorgesetzten, dass die Verletzungen, welche das Gesicht unkenntlich gemacht hatten, nicht zu einem Aufschlag auf die Strasse passen würden, doch für den Erfahrenen Polizisten, der den Einsatz leitete, war der Fall ein klarer Selbstmord.

Er hatte schon Gelegenheit gehabt mit den Anwohnern zu sprechen. Über Identität der Toten bestand für ihn ebenfalls kein Zweifel. Man hatte bei der Leiche Ausweis und Führerschein auf den Namen Nicole Lane gefunden.

Von seinen Kollegen aus England hatte er die Information erhalten, dass die Junge Frau scheinbar unter Verfolgungswahn litt und die Wohnung unter falschm Nahmen gemietet hatte im imaginäre Verfolger abzuhängen.

Für die Anwesenheit einer weiteren Person in der Wohnung gab es keinen Anhaltspunkte.

 

 

Epilog:

 

In einer kleinen, aber schön eingerichteten, Wohnung saß eine junge Frau die sich Julia Adler nannte und war mit sich mehr als zufrieden. Niemand der sie sah hätte ihr

eine solche Kaltblütigkeit zugetraut. Mit dem Geld von Jack Hymes konnte sie noch

einige Jahre sorgenfrei leben und Nicole Lane hatte für alle Welt Selbstmord begangen

….Ja hätte man ihren Worten nur glauben geschenkt!

E N D E